11.05.2019

Faszienrolle - Hilfe oder Hype?

Aktuell sind die Faszien eines der großen Themen im Gesundheits- und Wellnessbereich. Faszienrollen und -bälle versprechen durch einfache und effektive Übungen Gesundheit und Schönheit (Cellulitebekämpfung). Ist es wirklich für Jeden einfach und sicher mit den Faszienrollen zu hantieren?

Die Übungen mit der Faszienrolle sollen Verklebungen in der Faszie lösen und das Bindegewebe geschmeidig halten. Zusätzliche Effekte sollen eine Steigerung der Leistungsfähigkeit, Mindern von Verletzungsrisiko, Reduktion von Muskelkater und Linderung von Rückenschmerzen sein.
Aktuelle Studien zeigen folgende Punkte:
- Das Rollen der Faszien hat kurzfristige Wirkungen. Diese sind z.B. das Lösen von Verspannungen und vorübergehende Veränderung der Flexibilität. Eine positive Langzeitwirkung dieser Effekte konnte nicht festgestellt werden.
- Kurzfristig kann es zu einer Verringerung der Schnellkraft der Muskulatur kommen. Das führt zu einer messbaren Verringerung der sportlichen Leistung. Leistungsorienterte Sportler sollten das Bedenken.
- Das Verletzungsrisiko bei sportlicher Aktivität ist durch den Einsatz der Faszienrolle offenbar nicht zu reduzieren, da es von vielen weiteren Faktoren abhängig ist.
- Zur Straffung des Bindegewebes und gegen Cellulite ist der Einsatz der Faszienrolle nicht geeignet.
- Das Ausrollen nach sportlicher Aktivität scheint den Muskelkater zu reduzieren.
- Bei Rückenschmerzen kann der Einsatz der Rolle einen positiven Effekt erzielen.
- Im Hinblick auf Blutgefäße haben sich bei Ultraschalluntersuchungen Behinderungen oder gar Unterbrechungen des venösen Blutflusses beim Rollen der Beine gezeigt. Ob das zu Schäden der Venenklappen führen kann ist noch unklar.

Bezüglich der Anwendlung empfehlen Fachleute die gesamte Länge der Faszie auszurollen, um einen Flüssigkeitsstau an den Randzonen zu vermeiden. Die Flüssigkeit sollte langsam und nur in eine Richtung gerollt werden. So kann hinter dieser Welle neue, nährende Flüssigkeit nachströmen.

Menschen mit Grunderkrankungen, wie z.B. Osteoporose, Lymphstau, Durchblutungsstörungen, Gelenkentzündungen, rheumatischen Beschwerden oder neurologischen Störungen sollten vor dem Einsatz mit Ihren Therapeuten Rücksprache halten.

Richtig angewandt können die Faszienhilfsmittel also durchaus positive Effekte erzeugen. Man sollte die Anwendung jedoch auch nicht zu unkritisch sehen, sich bewusst machen, was man damit erreichen möchte und mit einem Fachmann über individuelle Risiken und Chancen sprechen.

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